Die Speisetafel
2. Akt
| Am nächsten Tag, im gleichen Raum, hat der Gastgeber eine frische Mahlzeit mit genau
den gleichen Köstlichkeiten wie am Tage zuvor, vorbereitet. Er sitzt am Tisch und der
Gast kommt, mit einem ungewohnten, ein wenig geheimnisvoll verschlossenen Gesichtsausdruck
hinein. Gastgeber (strahlend lächelnd, nichts ahnend von einer Änderung): Ich habe auf Sie gewartet. Ich bin so glücklich, Sie zu sehen, setzen Sie sich doch. Der Gast sitzt nun am Tisch und riecht höflich an den Speisen. Gast (die Speisen betrachtend): Ist dies alles für mich? Gastgeber: Aber selbstverständlich! Nur für Sie! Ich wäre so glücklich, wenn Sie
bereit wären, alles Das von mir zu empfangen. Gastgeber: Ja aber, dies ist nicht wahr! Sie wünschen sich es doch, und ich weiß, dass dies die Wahrheit ist! Warum wollen Sie es nicht zulassen? Gast: Ich kann das nicht alles von Ihnen annehmen. Es gibt mir ein unbehagliches Gefühl. Gastgeber: Was meinen Sie mit unbehaglich? Ich wünsche Ihnen so sehr, das alles zu haben! Für wen, denken Sie, habe ich es vorbereitetet? Es würde mir soviel Vergnügen bereiten, wenn Sie dies alles essen sollten. Gast: Möglicherweise haben Sie recht, aber ich möchte nicht alle gefüllten Teller erhalten und annehmen! Gastgeber: Aber tatsächlich, Sie erhalten nicht einfach eine Mahlzeit, Sie bereiten mir eine besondere Gefälligkeit, indem Sie an meinem Tisch sitzen, und das genießen, was ich für Sie gemacht habe. Nach allem, was ich vorbereitet habe, nicht nur alles für Sie, im Gegenteil, damit ich auf diese Weise Ihr Empfangen von mir genießen kann. Deshalb ist Ihre Zustimmung zu essen kein Empfangen von Ihrer Seite, sondern Sie erteilen mir eine große Gunst. Sie haben all das für mich erhalten! Für Ihren Teil handelt es sich gar nicht um ein Nehmen, sondern viel eher, um ein auf mich ausgerichtetes freudvolles Geben. Es hat sich so gewendet, dass es nicht Sie sind, der meine Köstlichkeiten empfängt, sondern dass ich es bin, der große Freude von Ihnen bekommt. Sie sind derjenige, der mir gibt und nicht andersherum. Der Hausherr stellt inständig bittend die wohlriechenden Teller vor seinen widerstrebenden Gast. Der Gast drückt sie weg. Der Hausherr schiebt sie erneut nahe zu seinem Gast, und wiederum drückt dieser die angebotenen Speisen zurück. Der Hausherr seufzt, seine ganzes Erscheinung drückt seinem Wunsch aus, dass der Gast die Nahrung doch annehmen solle. Der Gast nimmt die Haltung des Gebers ein, der dem Gastgeber eine wohltuende Gefälligkeit zukommen lassen möchte. Gastgeber: Ich flehe Sie inständig an! Machen Sie mich glücklich. Der Gast beginnt zu essen, dann pausiert er, um nachzudenken. Danach beginnt er wieder zu essen und pausiert erneut. Zu jeder Zeit, in der der Gast pausiert, regt ihn der Gastgeber dazu an, mit dem Essen fortzufahren. Nur nachdem er eine gewisse Überzeugungsarbeit geleistet hat, speist der Gast weiter. Der Gastgeber stellt weiter neue Köstlichkeiten vor seinem Gast, jedes Mal mit einer Bitte, ihn zu ehren, indem er sie annehmen möge. Gast: Wenn ich dessen sicher sein kann, das ich esse, weil es Ihnen Vergnügen bereitet, und nicht weil ich es wünsche, dann werden Sie der Empfänger und ich werde derjenige sein, der Ihnen Vergnügen bereitet. Aber dafür muss ich sicher sein, dass ich alleine ihretwegen esse, und nicht für mich. Gastgeber: Aber selbstverständlich, Sie essen nur für mich. Nach der ganzen Zeit, die Sie am Tisch saßen und nicht einen Teller probierten, bis ich Ihnen bewiesen habe, dass Sie nicht einfach nur essen, sondern mir vielmehr große Freude spenden. sind Sie doch gekommen, um mir ein Vergnügen zu bereiten. Gast: Würde ich etwas annehmen, hatte ich anfänglich kein Verlangen danach, aber da Sie mir nur etwas zum Annehmen anbieten, könnte ich das Empfangen nicht genießen, und Sie würden nicht die Freude erhalten, mich bereitwillig Ihr Angebot annehmen zu sehen. Es wandelt sich dahingehend, dass Sie Ihr Vergnügen nur in dem Ausmaß empfangen können, wie ich Ihr Angebot annehme und genieße. Gastgeber: Ich weiß genau, wie sehr Sie diese Speisen mögen, und wie viele Sie von jedem dieser Teller essen können. Dementsprechend habe ich diese fünf Gänge vorbereitet. Schließlich kenne ich Ihre Wünsche für diese oder jene Speise, und nicht für irgend eine andere Sache Ihres Lebens. Das Wissen, wie sehr Sie es genießen, erweckt die Empfindung Ihres Vergnügens in mir. Es bringt eine Freude in mir hervor, dass Sie meine Köstlichkeiten genießen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Vergnügen, welches ich aus Ihnen heraus erhalte, gut begründet ist. Gast: Wie kann ich sicher sein, dass ich ausschließlich genieße, weil Sie mich dazu ermuntern und es wünschen, und weil Sie all das für mich vorbereitet haben? Wie kann ich davon überzeugt sein, dass ich Sie nicht ablehne, indem ich von Ihnen erhalte, um Ihnen eigentlich eine Freude zu geben? Gastgeber: Ziemlich einfach! Weil Sie meine Angebote völlig ablehnten, und nur nachdem Sie sicher waren, dass Sie es für mich taten, damit begannen, sie anzunehmen. Nach jedem Bissen, den Sie nehmen, fühlen Sie, dass Sie es für mich tun, Sie spüren und erfassen die Freude die Sie mir bringen. Gast: Wenn ich jedes Mal, wenn ich etwas empfange, bedenke, dass ich es für Sie tue, denn sonst würde ich es ablehnen etwas zu nehmen, und es dann immer mit der Absicht verbinde, es nur für Sie zu tun , zusammen mit dem Empfangen von Ihnen, dann werde ich die Scham und Schande los und werde stattdessen stolz darauf, Ihnen Vergnügen zu übertragen. Gastgeber: Dann Essen Sie bitte alles! Sie wünschen alles und folglich geben Sie mir jedes Stück des Vergnügens, das Sie können! Gast (mit Vergnügen essend und den letzten Teller beendend, aber danach immer noch nicht zufrieden und erfüllt): So jetzt habe ich alles gegessen und ich habe es genossen. Es gibt keine weitere Nahrung mehr zum Genießen. Mein Vergnügen ist verschwunden, da ich nun nicht mehr hungrig bin. Ich kann im Moment niemandem von uns irgendeine Freude bereiten. Was tue ich als nächstes? Gastgeber: Ich weiß es nicht. Sie gaben mir ein vollständiges Vergnügen durch das Empfangen von mir. Was kann ich sonst noch für Sie tun, damit Sie sich immer wieder erfreuen? Wie können Sie sich wieder wünschen zu essen, wenn Sie alles aufgegessen haben?! Woher bekommen Sie einen neuen Appetit? Gast: Ja, das stimmt, mein Wunsch zu genießen, hat sich in einen Wunsch, Ihnen zu schenken, gewandelt. Wenn ich jetzt nicht mehr genieße, wie kann ich Ihnen Vergnügen bereiten? Schließlich kann ich nicht noch den Appetit für eine weiteres Fünf-Gänge-Menü in mir erzeugen. Gastgeber: Ich habe auch nicht mehr für Sie vorbereitet, als Sie es sich wünschten. Für meinen Teil habe ich alles getan. Ihr Problem ist: Wie kann ich es nicht stoppen, mehr zu wünschen, da ich mehr und mehr empfange. Gast: Aber, wenn das Vergnügen meinen Hunger nicht befriedigt, wird es nicht als Vergnügen gefühlt. Die Empfindung des Vergnügens kommt von der Zufriedenstellung der Notwendigkeit. Wenn ich nicht hungrig wäre, könnte ich die Nahrung nicht genießen, folglich könnte ich Ihnen auch nichts schenken. Was kann ich tun, um in einem Zustand des konstanten Verlangens zu bleiben, und Ihnen ständig Freude zu übermitteln, indem ich neues Vergnügen empfange? Gastgeber: Dafür benötigen Sie unterschiedliche Quellen von Wünschen und unterschiedliche Mittel zur Zufriedenstellung. Indem Sie Ihren Hunger für die Nahrung benutzen und Freude empfangen, schalten Sie beides aus. Gast: Ich habe die Lösung! Das Problem ist, dass ich mich selbst daran hinderte, Freude zu empfinden, es sei denn ich empfand Sie als den Wohltäter. Ich lehnte in solch einem Umfang das Angebotene ab, so dass die gesamten Speisen vor mir ausgebreitet wurden, dennoch konnte ich wegen des Gefühls der Schande nichts annehmen. Dieses Schamgefühl war so intensiv, dass ich zu verhungern bereit war, wenn ich damit das Gefühl der Schande, weil ich ja der Empfangende war, hätte vermeiden können. Gastgeber: Aber danach, sobald Sie überzeugt waren, dass Sie nicht für sich selbst etwas bekamen, begannen Sie meinetwegen zu erhalten. Deswegen genossen Sie die Nahrung und das Vergnügen, welches Sie auf mich übertrugen. Aus diesem Grunde sollten die Speisen in Übereinstimmung mit Ihrem Willen sein. Wie könnten Sie mir denn auch noch Vergnügen bereiten, ohne selbst Freude am Essen zu haben? Gast: Aber es ist nicht genug für Sie, etwas zu erhalten, wissend, dass Sie an mir Genuss haben. Wenn mein Vergnügen von Ihrer Freude kommt, dann ist die Quelle meines Vergnügens nicht die Nahrung, sondern Sie! Ich muss also Ihrer Freude fühlen. Gastgeber: Ich bin völlig offen dafür. Gast: Ja, aber von was hängt mein Vergnügen denn ab? Es ist von Ihnen abhängig, dem ich das Vergnügen bereite. Das bedeutet, dass mein Vergnügen von der Größe meines Wunsches, Sie zu beschenken, abhängt, was der Menge entspricht, wie ich Ihre Großmütigkeit empfinde. Gastgeber: Also was kann ich tun? Gast: Wenn ich mehr von Ihnen wüsste, wenn ich ein vertrauteres Verhältnis zu Ihnen hätte, und wenn Sie wirklich großmütig sind, dann würde sich vor mir Ihre Großartigkeit und Allmacht enthüllen. Ich würde es somit nicht nur genießen, Ihnen Freude zu bereiten, sondern ich wäre mir auch bewusst, wem ich das Vergnügen übertrage. Mein Vergnügen wäre dann proportional zur Offenbarung Ihrer Großartigkeit. Gastgeber: Es liegt also an mir? Gast: Schauen Sie, wenn ich gebe, ist es wichtig für mich, zu wissen, wieviel ich gebe und wem. Wenn es für geliebte Personen ist, zum Beispiel für meine Kinder, dann bin ich bereit, ihnen in der Größe meiner Liebe für sie zu geben, denn dadurch genieße ich auch selbst. Aber, wenn irgendjemand von der Straße zu meinem Haus käme, dann möchte ich ihm schon auch etwas geben. Denn ich glaube, die Qual des anderen zu spüren, oder ich hoffe, dass mir in der gleichen Weise geholfen wird, wenn ich selbst in so einer entsetzlichen Lage wäre. Gastgeber: Dieses Prinzip ähnelt dem Konzept der sozialen Wohlfahrt. Die Menschen stellten fest, dass alle darunter leiden, wenn es keine gegenseitige Unterstützung gibt, und dass sie einmal selbst leiden würden, wenn sie eines Tages die Notdürftigen sein werden. Der Egoismus zwingt den Menschen zu helfen, aber dies ist kein wahrhaftiges Geben. Es ist der Mensch, der sich seine Zukunft absichert. Gast: Ich denke, dass wir diese Art des Gebens nicht mit in Betracht ziehen können. Unsere ganze Großzügigkeit ist nichts anderes als getarntes Erhalten, zum Zweck der Zufriedenheit von uns selbst, und denjenigen, die wir lieben. Gastgeber: Wie kann ich Ihnen also ein Vergnügen bereiten, das größer ist, als jenes, das Sie in den köstlichen Speisen finden? Gast: Das ist nicht Ihr Problem, sondern meines. Wenn die Person, die zu meinem Haus kommt, nicht irgendeine Person wäre, sondern eine sehr wichtige Persönlichkeit, würde ich größeres Vergnügen dadurch erhalten, ihm etwas zu geben, als bei einer gewöhnlichen Person. Dies bedeutet, dass die Freude nicht von den Speisen abhängt, sondern davon, für wen man alles vorbereitet hat! Gastgeber: Was kann ich denn tun, damit Sie mich mehr respektieren? Gast: Da ich nicht für meinen eigenen Nutzen erhalten möchte, jedoch für Ihren, das ist, was ich Ihnen gebe, werde ich immer mehr Vergnügen bekommen, desto größer der Respekt ist, den ich für Sie empfinde, darum wissend, wer es ist, dem ich etwas gebe. Gastgeber: Wie kann ich also Ihre Wertschätzung, die Sie von mir haben, vertiefen? Gast: Erzählen Sie mir etwas über sich selbst, zeigen Sie mir, wer Sie sind! Dann könnte ich Freude nicht nur durch das Erhalten der Speisen empfangen, sondern in dem Bewusstsein, wer mir dies alles gegeben hat, und mit wem ich eine Beziehung aufgenommen habe. Selbst die kleinste Menge an Speisen zu empfangen, von einer großmütigen Persönlichkeit, wird eine viel größere Menge an Vergnügen wert sein. Das Vergnügen wächst im Verhältnis, wie groß ich Ihr Sein in Betracht ziehe. Gastgeber: Das bedeutet, damit das Vergnügen groß wird, muss ich mich selbst öffnen, und Sie müssen eine Ähnlichkeit von mir in sich selbst entwickeln. Gast: Ganz genau! Das ist es, was einen neuen Hunger in mir bewirkt, der Wunsch, Ihnen zu geben, wächst im Verhältnis zu Ihrer Größe, und nicht weil ich der Empfindung der Schande entgehen möchte, denn die Schande ließ mich nicht meinen Hunger stillen. Gastgeber: Auf diese Weise fangen Sie damit an, nicht den Hunger, sondern meine Großmütigkeit und das Verlangen, mir Vergnügen zu bereiten, wahrzunehmen. Somit beginnen Sie, nicht nur den Appetit zu stillen, denn er war es nicht, der Sie zu mir führte, sondern meine Großartigkeit und den Wunsch mich zufrieden zu stellen? Gast: Was wäre daran falsch? So kann ich von den Speisen um ein vielfaches mehr Vergnügen empfangen, als die Nahrung selbst wirklich geben kann, denn ich füge zu dem Hunger einen zweiten Wunsch hinzu einen Wunsch, Sie zu beschenken.. Gastgeber: Den ich dann auch erfüllen muss. Gast: Nein, diesen Willen und seine Erfüllung bringe ich in mir selbst hervor. Dafür benötige ich nur eines, Sie zu kennen. Enthüllen Sie sich mir und ich erstelle innerhalb von mir, ein Bedürfnis Sie zu beschenken. Dann empfange ich Vergnügen vom Geben und nicht von der Beseitigung der Scham. Gastgeber: Was werden Sie davon gewinnen, außer der Tatsache, dass sich Ihr Vergnügen erhöht? Gast (offensichtlich darauf anspielend, dass dies der wichtigste Punkt von allem ist): Es gibt einen anderen großen Gewinn: Wenn ich in mir einen neuen Wunsch kreiere, abgesehen von dem angeborenen innewohnenden Hunger, werde ich der Meister dieses Willens. Ich kann ihn immer erhöhen, jeder Zeit mit Vergnügen und Freude füllen, und spende immer alles Ihnen, indem ich Vergnügen empfange. Gastgeber: Hört die Erfüllung nicht auf, genau wie der Hunger den Willen verliert? Gast: Nein, denn ich kann jedes Mal innerhalb von mir, einen großartigeren Eindruck von Ihnen entwerfen. Daraus entstehen ständig neue Wünsche zu geben und zu schenken, und indem ich von Ihnen empfange, werde ich diese Willen ausführen. Dieser Prozess kann unbestimmt lange weitergehen. Gastgeber: Wovon hängt es also ab? Gast: Vom ständigen Entdecken neuer tugendhafter Virtuositäten und Ihrer Größe. Gastgeber: Das heißt, dass für eine konstante Genusssucht, damit sogar durch das Erhalten selbstsüchtiger Freuden der Hunger nicht aufhört, sondern er sich vielmehr durch dieses Empfangen noch steigert, die Kreation eines neuen Hungers gebildet werden muss: nämlich der Wille, den Geber zu spüren. Gast: Ja zusätzlich zum Empfangen des Vergnügens (Köstlichkeiten) wird ein Sinn für die Größe des Gebers entwickelt. Die Entdeckung des Gastgebers und der Köstlichkeiten werden das Gleiche. Das Vergnügen bringt selbst ein Bewusstsein des Gebers hervor, nämlich, dass der Geber, die Nahrung und die Eigenschaften des Gebers, ein und dasselbe sind. Gastgeber: Es wendet sich also dahin führend, dass der Geber sich offenbart, wie Sie es sich unterbewusst schon wünschten. Für Sie stellt dies tatsächlich eine Erfüllung, und sonst nichts weiteres dar. Gast: Am Anfang habe ich nicht einmal verstanden, dass es das war, was ich wollte. Ich sah nur die köstlichen Speisen und dachte, dass ist es, was ich wünschte. Gastgeber: Ich tat dies aus einem bestimmten Grunde! Damit Sie stufenweise Ihren eigenen unabhängigen Willen vorantreiben konnten, den Sie in sich selbst erstellten, und damit Sie ihn durch sich selbst erfüllen würden. Das bedeutet, dass Sie den Platz des Gastes und des Gastgebers gleichzeitig einnahmen. Gast: Warum ist dies alles so aufgebaut? Gastgeber: Mit dem Ziel, Sie zur Vollständigkeit zu führen. Damit Sie jede Sache in der Gesamtheit wünschen und maximale Erfüllung erreichen. Sie somit jeden Wunsch genießen, und damit das Vergnügen durch nichts gebunden ist. Gast: Aber weshalb wusste ich dies nicht von Anfang an? Schließlich war alles, was ich um mich herum sah, die Objekte die ich mir wünschte, - ohne dabei zu vermuten, dass Sie es sind, was ich mir wirklich wünschte. Gastgeber: Es geschah speziell so, damit Sie von einer Situation, in der Sie mich nicht fühlten, von sich aus zu mir kamen, um diesen inneren Willen in sich selbst zu erzeugen. Gast (verwirrt): Aber, wenn ich diesen Willen in mir erstelle, wo sind Sie in dieser Vorstellung? Gastgeber: Ich bin es, der diesen einfachen egoistischen Willen in Ihnen kreierte, um erst einmal damit anzufangen. Ich entwickele ihn, indem ich Sie ständig mit neuen Objekten der Freude umgebe. Gast: Aber für was ist das alles gut? Gastgeber: Mit dem Ziel, Sie davon zu überzeugen, dass es keine Jagd nach irgend einem möglichen Vergnügen geben kann, die Sie erfüllt und zufrieden stellt. Gast: Das kann ich verstehen: Zu dem Zeitpunkt, an dem ich bekomme, was ich wünsche, ist das Vergnügen sofort verschwunden, und trotzdem sehne ich mich wieder und wieder nach entweder etwas Besserem, Schönerem und Großartigerem, oder nach etwas ganz und gar Unterschiedlicherem als zuvor. Auf diese Art und Weise bin ich auf einer konstanten Jagd nach Vergnügen, erreiche die Freude jedoch tatsächlich niemals vollständig, denn in dem Moment, in dem ich sie in meinen Händen halte, entgleitet sie. Gastgeber: Genau aus diesem Grund entwickeln Sie Ihre Wahrnehmung von sich selbst, und erreichen das Bewusstsein der Sinnlosigkeit dieser Art der Existenz. Gast: Aber, währenddessen entwickeln Sie in mir eine Abbildung von dem was geschieht. Ich würde gerne die Bedeutung, den Sinn und Zweck von allem, was stattgefunden hat, verstehen! Gastgeber: Diese Abbildung wird nur dann aufgedeckt, wenn Sie völlig von der Ziellosigkeit Ihrer egoistischen Existenz überzeugt sind, Sie werden sich bewusst werden, dass eine neue Form der Handlungsweise erforderlich ist. Sie müssen Ihre Wurzel und die Bedeutung Ihres Lebens kennen lernen. Gast: Aber dieser Prozess kann Tausende von Jahren dauern. Wann wird er beendet sein? Gastgeber: Nichts wird unnötig erschaffen. Alles, was existiert, ist zum alleinigen Zweck des Hervorbringens der Schöpfung vorhanden, um eine andere Form der Existenz zu kennen. Dieser Prozess ist langsam, denn jeder kleinste Wunsch, jedes unbedeutendste Verlangen sollte entspringen, und als unwürdig zur Verwendung erkannt werden, in dieser seiner vorbereiteten, einleitenden Form. Gast: Gibt es denn viele solcher Wünsche oder Verlangen? Gastgeber: Ein große Menge! Direkt proportional zum Vergnügen, das Sie zukünftig empfangen. Das Vergnügen vom Erhalten der Nahrung ändert sich nicht. Sie können mehr als einmal am Tag essen. Auch das Volumen Ihres Magens bleibt erhalten. Folglich ändert sich auch nicht die Menge, die von mir kommt, und von Ihnen empfangen wird. Jedoch, indem Sie an meinem Tisch zu meinem Wohle speisen, erstellt sich schon durch den bloßen Gedanken ein neuer Wille und eine neue Freude in Ihnen, - abgesehen von dem Vergnügen für die Speisen. Dieses Vergnügen wird in der Größe und in der Energie gemessen, in Quantität und Qualität, entsprechend der Menge des Vergnügens, welches Sie vom Speisen an meinem Tisch zu meinem Gefallen erhalten. Gast: Wie kann ich meinen Wunsch steigern, Vergnügen für Ihr Wohl zu empfangen? Gastgeber: Das hängt von Ihrer Anerkennung und vom Respekt für mich ab, davon, wie groß Sie mein Sein erachten und erfassen. Gast: Wie kann ich meine Würdigung in Bezug auf Sie erhöhen? Gastgeber: Sie müssen dafür einfach mehr über mich wissen, und mich in jeder Tätigkeit erkennen, die ich erstelle. Sie müssen beobachten und überzeugt sein, wie großartig ich wirklich bin, - sicher sein, dass ich allmächtig, barmherzig und freundlich bin. Gast: So zeigen Sie sich! Gastgeber: Wenn Ihre Bitte von einem Wunsch abstammt, mich zu beschenken, werde ich mich enthüllen. Wenn jedoch der Wunsch davon abstammt, sich selbst eine Freude zu bereiten, indem sie mich wahrnehmen, werde ich es nicht nur unterlassen, mich Ihnen zu offenbaren, sondern ich werde mich immer tiefer verbergen. Gast: Warum? Ist es nicht das gleiche für Sie, in welche Weise ich von Ihnen etwas empfange? Schließlich wünschen Sie für mich, dass ich genieße. Warum sich also vor mir verstecken? Gastgeber: Wenn ich mich völlig offenbaren würde, würden Sie soviel Freude von meiner ewigen Allmacht und Vollkommenheit empfangen, dass Sie nicht in der Lage sein werden, diese Freuden meinetwegen zuzulassen und zu verarbeiten. Dieser Gedanke hätte nicht einmal Ihren Verstand durchquert, schon würden Sie sich danach wieder beschämt fühlen. Außerdem, weil das Vergnügen unaufhörlich ist, wird es, wie wir vorher gesehen haben, Ihr Bedürfnis eliminieren, und Sie bleiben wieder ohne einen Willen zurück. Gast (schließlich erkennend): Das ist also der Grund, weshalb Sie sich vor mir verbergen, - um mir zu helfen! Ich dachte schon, aus irgendeinem Grunde, dass es so ist, weil Sie mir nicht wünschten, dass ich Sie erkenne. Gastgeber: Mein größter Wunsch ist, dass Sie mich wahrnehmen werden und nahe bei mir sind. Aber was kann ich tun, wenn Sie dann nicht dazu in der Lage sein werde, Freude wahrzunehmen......wäre das nicht das gleiche wie Sterben? Gast: Aber, wenn ich von Ihnen in Unkenntnis bin, wie kann ich denn irgendeinen Fortschritt erzielen? Alles hängt davon ab, wie viel Sie sich mir zeigen. Gastgeber: In der Tat, nur das Gefühl meiner Anwesenheit erzeugt in Ihnen die Fähigkeit, zu wachsen und zu empfangen. Ohne diese Wahrnehmung schlucken Sie einfach alles herunter, und schon ist das Empfinden der Freude vorbei. Deshalb ist es so, dass, wenn ich vor Ihnen erscheine, Sie sich sehr davor schämen, einen Sinneseindruck des Gebers zu bekommen, sowie einen Willen zu erhalten, die gleichen Eigenschaften wie der Geber zu empfangen. Gast: Bitte enthüllen Sie sich vor mir so bald wie möglich. Gastgeber: Ich will es, aber nur soweit, dass Sie davon profitieren können, obwohl ich mich Ihnen immer zeigen möchte. Schließlich verbarg ich mich zu dem Zwecke, damit ich für Sie die Bedingungen der freien Wahl gestalten konnte, und Sie ausführen und auswählen, wie Sie unabhängig an meine Anwesenheit denken können, so würde es überhaupt keinen Druck von Seiten des Gastgebers geben. Gast: Also, wie werden Sie sich mir enthüllen? Gastgeber: Ich tue es langsam und stufenweise. Jeder Grad der Enthüllung wird eine Welt genannt. Von dem meist verschleierten Niveau bis zur höchst offenbarten Stufe.
E N D E
Übersetzung von Peter Staaden
[zum 1. Akt] [siehe auch den Comic: Gast und Gastgeber] [HOME]
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