Spirituelle Substanz
und ihre symbolische Darstellung


 

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1) Es gibt keine in der Welt existierende Substanz, ob es etwas durch die Sinne Erfahrbare ist, oder etwas, das wir durch den Verstand wahrnehmen, die nicht im Schöpfer enthalten ist. Alles strömt von Ihm aus. Folglich sind unser widersprüchliches Denken und unbekannte Substanzen auch in Ihm, jedoch in einer vereinheitlichten Substanz.

Zum Beispiel: Wir unterscheiden die Weisheit als eine Substanz, die von einer wohlschmeckenden Substanz völlig verschieden ist. In dem Unterschied dessen, das als süß existiert zu jenem, das als bitter existiert, empfinden wir sogar eine noch größere Verschiedenartigkeit. Ebenso erkennen wir eine Differenz bezüglich dem Ausführenden einer Tat, und der Tat an sich. Genauso ist es mit unseren Sinnen, oder den geistig wahrnehmbaren Fähigkeiten, jede Substanz, jeder Geschmack ist einzigartig und im Aussehen und in seiner Eigenschaften absolut unterschiedlich.

Eine solche Unterscheidung der Substanz ist im Ursprung, dem Schöpfer, der die Quelle aller Substanzen ist, nicht wahrnehmbar. Weisheit, Süße, Bitterkeit, Täter oder Tat, jede Verschiedenartigkeit wird im Ursprung zu einem absoluten und unbestimmten Maß vereinheitlicht, welches über der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit liegt. Alles ist als Einheit in Seinem Einfachen Licht beinhaltet, mit keiner Differenzierung, was auch immer erkennbar ist.

2) Die führenden weisen Kabbalisten sagen uns, dass wir dies als "Echad, Yachid, Myuchad" verstehen können, was "Eins, Einzig, Alleinig" heißt.

"Echad" besagt, dass der Schöpfer überall in allen Welten gleichmäßig anwesend ist. "Yachid" bedeutet, dass alles von Ihm abgeleitet wird, obwohl um uns eine Vielfältigkeit der Fülle, in Ihm, im Ursprung erscheinen, ist alles eine Einheit, selbst Seine Substanz an sich. Alle Fülle entspringt dem einen Ursprung, in dem keine Unterschiede wahrnehmbar sind. Daher kann der Himmlische Überfluss Seiner Quelle nicht definiert werden.

"Myuchad" bezeichnet, dass, obgleich in der Schöpfung vielfältige Handlungen durchgeführt werden, die Eine Energie alles ausführt. Schließlich kehren diese vielfältigen Handlungen zu den vereinigenden Phasen zurück, was sie in Seine Einheit einhüllt. Die Handlungen, die vorher als vielfältig wahrnehmbar waren, sind nun in Einheit verflochten. Myuchad betont auch die Ethik, dass alle Taten und Bemühungen des Menschen in dieser Welt, dem Einen gewidmet sein sollten. So wie die Weisen es ausdrücken: "Glücklich ist jener, der sich mit der Torah beschäftigt und Seinem Erschaffer Zufriedenheit schenkt." Das heißt in anderen Worten, dass die Tätigkeit des Lernens der Torah, das wichtigste Gebot ist, das es zu erfüllen gilt, was jedoch unvollständig und nicht annehmbar ist, bis es durch Liebe des Schöpfers und des Wunsches Freude zurückzugeben motiviert ist. Weder um das Ego zu Vergrößern; noch um Kapital zu gewinnen; auch nicht für irgend einen selbstsüchtigen Zweck darf die Torah studiert werden. Die Weisen decken das wahre Ziel des Torah Studiums auf, indem sie sagen, dass es dafür da ist, "um Seinem Erschaffer Zufriedenheit zu schenken."

Aber dieses ist ein sehr subtiler Materie, die nicht alle verstehen können. Die identische Erklärung von "Echad, Yachid, Myuchad" wird durch den Kabbalisten Nachminides Ramban in seinem Kommentar zum "Sefer Yetzira" Kapitel I, Abschnitt 7 gegeben. Der gleiche Gedanke wird auch von Maimonides (Rambam) in den Wörtern ausgedrückt: "Er weiß, dass Er Das ist, Was gewusst wird, und Er ist das Wissen."

Der Schöpfer ist Selbst das Wissen, der Vorgang des etwas Wissens, und das, was gewusst wird. Sein Wissen besteht nicht in der Tatsache, dass Er seine Gedanken auf Dinge ohne Sich richtet, denn, indem Er Sich begreift  und kennt, begreift und kennt Er alles was existiert. Es gibt nichts, das nicht mit Ihm vereinigt ist und das Er nicht in Seiner eigenen Substanz findet. Er ist der Archetypus aller existierenden Dinge, und alle Dinge existieren in Ihm, in ihrer reinsten und vollkommensten Form; so dass die Vervollkommnung der Geschöpfe aus der Unterstützung besteht, der zufolge sie mit der ursprünglichen Quelle Seiner Existenz vereinigt werden, und sie sinken nach unten und fallen von der vollkommenen und erhabenen Position, im Verhältnis zu der Trennung von Ihm.

3) Die Bibel vergleicht eine Person mit einem Baum in einem Feld, sie macht aus dem Baum und seiner Wurzel eine Analogie zum menschlichen Wesen und seiner Herkunft. Daraus können wir wichtige Ableitungen heranziehen.

Wir wissen, dass ein Baum sich aus einer Wurzel, einem Stamm, Zweigen und einer Frucht zusammensetzt, und dass dies alles, aus der Wurzel kommt. Doch in der Wurzel selbst können wir diese unterschiedlichen Elemente nicht unterscheiden und feststellen. Wir wissen unbestreitbar, dass sie alle aus der Wurzel entspringen, dennoch zeigt die Wurzel kein Zeichen seiner zukünftigen Entwicklung in einen vollständigen Baum.

Auf die gleiche Weise müssen wir das menschliche Wesen mit seiner göttlichen Seele betrachten, das weit entfernt von der Wurzel, seiner Herkunft, ausgesendet wird. Während der Periode, in der die Seele in ihrem Ursprung verweilt, ist sie im Heiligen Ort des Schöpfers, wo sie ihren vollen Anteil an Lebenskraft empfängt. Wenn es bestimmt ist erschaffen zu werden, erscheint sie als menschliches Wesen, in einem irdischen Körper. Dieses körperliche Gewand kleidet die Seele, die zufrieden ist, an ihrem weltlichen Aufenthaltsort zu bleiben, um das Leben zu genießen, und materielle Lebenskraft aus der irdischen Welt zu entnehmen, während sie auch spirituelle Lebensenergie, aus ihrer Wurzel, dem Ursprung aller Wesen, bezieht.

4) Lassen Sie uns versuchen, die spirituelle Substanz zu begreifen. Als das Israelische Volk das Manna in der Wüste erhielt, war dies von spiritueller Essenz. Die Weisen erklären uns, dass Manna eine spirituelle Substanz war, die viele Geschmäcker besaß, oder, wie sie es berichten, enthielt es einen unterschiedlichen Geschmack, für jeden der teilhaftig wurde. Für einen war es bitter, für den folgenden war es süß. Wie kann man sich das vorstellen, dass eine Substanz gleichzeitig süß und bitter ist, und nebenbei noch viele andere Aromen besaß?
Die einzige Antwort ist, dass Manna weder Farbe noch Geschmack hatte. Es war eine spirituelle Substanz, welche die Attribute annahm, die sie in Übereinstimmung mit dem Empfänger bekam. Bevor eine solche Lebensnahrung durch die Sinne oder Gefäße einer Person erkannt wird, ist sie immer noch wohlüberlegt in ihrem Ursprung zu betrachten. Wir haben bereits gesehen, dass sogar bei einem sinnlich greifbaren Ursprung, wie einer Wurzel, eine absolute und unergründliche Einheit existiert. Wie viel zutreffender ist dies dann für eine spirituelle Wurzel, in der es keine Spur irgendeiner Substanz gibt.

Stellen Sie sich zum Beispiel drei Nahrungsmittel wie Milch, Honig und Wein vor, die zusammen gemischt werden. Wie soll man solch eine Mischung einstufen? Es ist weder Milch, noch ist es Honig und auch kein Wein. Es ist eine Anhäufung von Substanzen, mit allen Unterschieden die ineinander vermischt sind, um ein vereinheitlichte Essenz zu bilden. So ist es auch in einer Wurzel, die eine einzelne Zusammensetzung darstellt, welche mehrere unterschiedliche Elemente der vollständig entwickelten Pflanze in sich einschließt. Erst nachdem die Möglichkeiten der Wurzel sich in der Wirklichkeit manifestieren, erkennen wir ihre verschiedenen Substanzen, mittels unserer Sinneswahrnehmungen.

Aus dem Vorangegangenen können wir zwei unterschiedliche Perioden für jede spirituelle Substanz folgern. Erstens: Die Phase während sie noch mit dem Schöpfer in seinem Himmlischen Aufenthaltsort ist, in dem sie sich in ihrer unveränderlichen beständigen Einfachheit befindet, und jenseits der Grenzen der menschlichen Wahrnehmung hinaus besteht (sogar unzugänglich für irgendein Gefäß der spirituellen Substanz). Hier ist die Substanz frei von jeder Klassifikation, obwohl sie den vielfältigen Geschmack, die Farben, die Formen, etc. enthält, die zu dem menschlich Erfahrbaren zählen. Zweitens: Die Phase wenn sie sich dem menschlichen Gefäß annähert, und der Himmlische Glanz mit einem begrenzten, irdischen Gewand bekleidet wird, dem für sie bestimmten Körper, durch den sie ausgeformte Eigenschaften erweckt, entsprechend der Prägung der ihr vom Körper aufgedrückt wird.

In dieser Weise müssen wir die eindeutigen Qualifikationen der zwei aufeinanderfolgenden Perioden der spirituellen Substanz im Gedächtnis behalten. Die folgende Veranschaulichung kann mit größerer Lebendigkeit die Eigenschaften der spirituellen Substanz vermitteln.

Wasser hat weder Farbe noch Form. In einer roten Schüssel, sieht das Wasser rot aus. Schüttet man es in einen dreieckigen Behälter, wird das Wasser dreieckig; in einer runden Schüssel wird seine Form auch rund. Auf diese Weise nimmt das Wasser, obwohl wir wissen, dass es außerhalb eines Gefäßes einfach, und ohne Farbe oder Form ist, die Farbe und die Form jedes möglichen Behälters an, in das es gegossen wird. So ist auch die spirituelle Substanz, bevor sie den irdischen Aufenthaltsort betritt, den menschlichen Körper, einfach und nicht wahrnehmbar. Wenn sie in Kontakt mit dem menschlichen Körper kommt, formt dieser den Geist entsprechend seinem eigenen individuellen Charakter.

5) Um ein zutreffendes Konzept der spirituellen Substanz zu erreichen, muss sich der Mensch zuerst von vielen falschen Auffassungen reinigen. Er muss die erhabene Wahrheit bezüglich des Spirituellen suchen, die in der Literatur der Kabbala enthalten ist. Durch eine solche Anleitung sowie einer begleitenden umwandelnden Formung seines Verhaltens, kann der Mensch von seinem geringen, irdischen Horizont zu einem erhöhten Reich des spirituellen Wahrnehmens, zur Welt des Spirituellen, umgepflanzt werden.

Dann beginnt der Mensch innerhalb sich selbst eine Essenz zu erkennen, die eins mit der Höchsten Substanz ist, und von dieser Ebene aus, ist er von der Anziehung dieser irdischen Welt der Sinne befreit. Auf diesem herrlichen spirituellen Niveau empfindet der Mensch die materielle weltliche Substanz, im Vergleich mit der spirituellen Substanz, als außerordentlich bedeutungslos.

6) Da wir betont haben, dass die spirituelle Substanz nicht wahrnehmbar und undefinierbar ist, solange sie in ihrer Himmlischen Quelle verweilt, sollten wir jetzt versuchen, die spirituelle Instanz zu erkennen, welche die menschliche Seele ist.

Die Seele wird in fünf unterschiedliche Stufen unterteilt, eine Übergeordneter zur anderen, aber daran werden wir in späteren Kapiteln noch arbeiten. Lassen Sie uns jetzt nur von dem Teil der menschlichen Seele sprechen, die im Himmlischen Busen wohnt.

Die Weisen machen geltend, dass die Seele ein "Teil G-ttes" ist, und dass er identisch mit dem "Ganzen", dem "Schöpfer," oder dem "Universellen Geist" sei. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass die Seele ein Teil ist, während G-tt der Vollständige, das Ganze, die Universelle Seele ist.

Sie vereinfachen für uns das Verhältnis von G-tt und der Seele, indem sie das Beispiel eines Berges und eines Steins, der aus dem Berg gehauen ist, zitieren. Sie sagen, dass es jedoch einen unterschiedlichen Punkt zwischen dem Berg und dem Stein gibt. Der Stein ist nur ein Teil des Berges, während der Berg das Ganze ist.

7) Dies bringt uns zu der Frage, wie wir weltliche Eigenschaften mit den himmlischen Eigenschaften vergleichen können. Wir berücksichtigen die Tatsache, dass Materie geteilt werden kann, indem man sie zum Beispiel bearbeitet, zerhackt, zerschneidet; durch den Gebrauch einer Axt, eines Hammers, des Messers oder irgendeines ähnlichen Instrumentes. Aber wie können wir spirituelle Instanzen voneinander trennen? Durch welches Mittel, Werkzeug, oder Laborinstrument können spirituelle Objekte unterteilt und unterschieden werden, um den Schöpfer oder die Universelle Seele als Ganzes, und die Seele als Teil auszudrücken?

Wir sollten versuchen, dieses ernste spirituelle Problem, was uns von den Heiligen Weisen vorgeschlagen wird, zu analysieren, damit wir ein konkretes Wissen der Beschaffenheit der spirituellen Unterteilungen gewinnen können, und die grundlegende Ursache der Trennung der menschlichen Seele von ihrem Ursprung aufdecken können.

Um die Seele wirklich zu verstehen, müssen wir zuerst die Art und Weise studieren in der die Unterteilung der spirituellen Substanz stattfindet, obwohl sie im Ursprung unteilbar ist.

Bedenken Sie, dass die spirituelle Substanz nur durch den Prozess der Umwandlung geteilt wird. Zum Beispiel, wenn eine spirituelle Substanz zwei Phasen erwirbt, dann wird diese außergewöhnliche Substanz bereits als zwei, anstelle von einer, angesehen.
Wir berücksichtigen das Naturgesetz der Seele, dass sie nicht wahrnehmbar, unveränderlich, und folglich unteilbar ist. Dennoch wissen wir, dass es zahlreiche Ungehobelte Geister gibt, da sie ja in ihrer Anzahl den Körpern gleich sind, in denen sie verweilen und, in welchen sie ihr spirituelles Licht ausstrahlen. Schließlich müssen wir feststellen, dass die Ursache ihrer Vielheit die Transformation ist, die durch die getrennten menschlichen Körper verursacht wird. Wie die Weisen es ausgedrückt haben:

"So mannigfaltig die Gesichter der Menschheit sind, so facettenreich ist ihr Denkvermögen; eines unterscheidet sich von dem anderen."

8) Folglich schließen wir daraus, dass der menschliche Körper die Natur der Geistes ausdrückt und entweder eine gute oder böse Person offenbart, und alle unterschiedlichen Arten von Persönlichkeiten, die überhaupt vorstellbar sind. Wenn wir von einer Person sprechen, die böse ist, denken wir an einen mangelhaften Geist in ihm. Obgleich dies zutreffend ist, muss daran erinnert werden, dass der Geist selbst, entsprechend eines fehlerhaften Körpers geformt wird, da der Geist, gemäß dem Körper geformt wird, in dem er verbleibt, und an sich absolut fehlerlos ist, wie oben erwähnt wurde.

Die Transformation oder die Verschiedenartigkeit der Phasen des Geistes, verursacht durch den menschlichen Körper, ergibt die Teilung der Geister. Sowie das Maß der Entferntheit von einem Geist zu seinem benachbarten Geist, dem Grad ihrer Unterschiedlichkeit entspricht.
Wir kennen den Unterschied bezüglich der Wesensart eines Heiligen und eines boshaften Menschen; wir folgern dann daraus, dass diese zwei Geister wegen des Unterschiedes bezüglich ihrer Charakteranlagen voneinander getrennt seien, und dass sie sich an zwei gegenüberliegenden Polen befänden. Andere Menschen, so folgern wir, die sich wünschen mehr oder weniger ‚zu geben', obgleich sie auch voneinander variieren, besäßen relative Tendenzen der Seelenverwandtschaft, und folglich sei der Abstand zwischen ihnen nicht so groß, als die grenzenlose Kluft, die zwischen dem Heiligen und dem Bösen existiere.

9) Sprechen wir deutlich: Es ist so, dass unsere Schlussfolgerung, dass die spirituelle Substanz durch Umwandlung oder eine Unterschiedlichkeit der Phase getrennt wird, nur auf sehr grobe Geister zutrifft, die sich sofort an den Körper binden. Wie können wir denn das Problem der Abspaltung von G-tt lösen, dessen, was wir "die Seele" nennen? Von dem, der das höchste Niveau des Seins ist, und dem Universellen Geist entspricht, oder dem Schöpfer? Die Weisen wissen, dass diese Seele ein eindeutiger Teil G-ttes ist, während sie noch in ihrer Himmlischen Region verbleibt.

Das Rätsel ist doch: In welcher Weise wird diese Seele unterschieden und bestimmt, damit wir sie als einen Teil G-ttes erkennen? Durch welchen Unterschied oder welches Attribut ist sie unterscheidbar, damit wir sie "Seele" nennen, und sie als getrennt vom Ganzen oder vom Ursprung betrachten?

Wir wagen uns nicht daran zu denken, dass eine Umformung oder eine Vielfalt von Phasen in der Seele stattfanden, oder dass irgendein Ereignis im Himmlischen Aufenthaltsort auftrat, um die Seele mit einer unterschiedlichen Qualität zu prägen. Wir haben bereits den Grundsatz festgestellt, dass die Seelen, während sie in ihrem Himmlischen Wohnort verweilen, im Ursprung, der Quelle, unbestimmt sind, und für die Quelle als Einfach, Fein und Ruhig, bar aller Farben und Geschmäcker, bestehen. Was ein Wissen bezüglich des Aufenthaltes der Seele im Himmlischen Pleroma anbetrifft, so ist dies unmöglich zu erlangen, denn es steht uns bis jetzt kein Mittel zur Verfügung, mit der wir sie dort wahrnehmen könnten.

In einer vorhergehenden Erörterung haben wir festgestellt, dass sogar das Manna in der Wüste nicht wahrnehmbar war, bevor es den menschlichen Körper betrat. Es muss also bedacht werden, dass, obgleich die Substanz der Seelen noch in ihrem Ursprung besteht, bevor sie in unmittelbaren Kontakt mit den Körpern kommt, "einfach", sowie dennoch "einschließend" ist, und von den vielfältigen Phasen und von den Qualitäten zusammengesetzt wird. Der Geist ist eine absolute Einheit, während er in seinem Ursprung ist, wie wir vorher bereits erwähnt haben, als wir von G-tt sprachen und sagten, dass "Er in allen Welten gleichmäßig anwesend ist." Alle Substanzen kommen aus einem Ursprung, und alle Energien; mögliche und tatsächliche, hängen mit dem Einen, dem Schöpfer zusammen.

10) Mit welchen Mitteln der Forschung unterscheiden die Weisen die Seele die einmal in Einheit mit G-tt war, jedoch später von Ihm getrennt wurde und dann als eine Form mit bestimmten Qualitäten identifizierbar wird?

Was veranlasst die Seele, von ihrem Ursprung getrennt zu werden? Was zwang sie, ihre Quelle zu verlassen, um innerhalb des Bereiches der menschlichen Analyse zu kommen, als einzelne Instanz, die den Hauch der Spekulation umhüllt, und sich einem denkbar dienlichen Experiment unterzieht?

Es muss bedacht werden, dass, wenn die Seele eine neue Form annimmt und den Namen der "Seele" trägt, sie bestimmte Qualitäten besitzt, die sie vom Ursprung entfremdet. Wegen dieser besonderen Qualität wird die Seele als ein unterschiedlicher Teil von G-tt betrachtet. Gäbe es diese Unterscheidung nicht, würde die Seele mit G-tt selbst identisch bleiben, da sie ja dann noch im Busen des Himmlischen Heiligtums verweilt.

Um dies klar zu verstehen, müssen wir uns eingehend mit der unergründlichen Tiefe der göttlichen Weisheit befassen, um die bis jetzt unentdeckten Edelsteine in den Ideen der Schöpfung, mit ihrer herrlichen, erhabenen Absicht zu entdecken.

11) Lassen Sie uns an diesem Punkt etwas ausführlicher das Thema des Schöpfers und der Schöpfung untersuchen. Entdecken wir gemeinsam das Ziel, welches der Schöpfer erfüllt und Ihn dazu veranlasst, die irdische Welt in das Sein zu bringen? Es ist selbstverständlich, dass keine Tat überhaupt durchgeführt wird, selbst durch ein begrenzt bewusstes Wesen, ohne einen Beweggrund oder einen definitiven Zweck, der die Veranlassung der Tatkraft ist. Unsere hauptsächliche Bemühung muss dann als erstes sein, der tatsächlichen Zielsetzung des Schöpfers, den Grund weshalb diese Welt erschaffen wurde, gewahr zu werden. Wir müssen die Ursache dafür suchen, weshalb es himmlische oder spirituelle Welten, sowie eine irdische oder materielle Welt gibt, zusammen mit allem was sie enthalten. Die Frage wird von den Weisen im "Sohar," behandelt, wo die Lösung in der folgenden einfachen und wahren Antwort enthüllt wird: "Da der Schöpfer die schon oft erwähnte Eigenschaft der ‚alles umfassenden Güte' hat, erschuf Er diese irdische Welt mit ihren menschlichen Bewohnern, damit Er ihnen seine endlose Liebe und Fülle schenken konnte."

Der Sohar fährt fort zu fragen: "Wenn G-tt wünschte, seine Fülle der Menschheit zu schenken, warum warf Er die vortrefflichen und göttlichen Seelen auf diese weltliche Ebene, in Körper die aus Lehm geschaffen sind, in denen sie Leid und Versuchungen erleiden, sowie die Prüfungen der bösen Geister, die der materielle Körper der Seele zufügt? Er hätte sie eher in Seinen Himmlischen Bereichen behalten sollen, wo alle Geister im Paradies frohlocken, in dem sie die unaussprechliche Güte des Göttlichen Glanzes verdienen, die ihnen allen geschenkt wird."

In präzisen aber einfachen Erklärungen antwortet darauf der Sohar, dass "die natürliche Konsequenz des Essens, von unverdientem Brot, des Empfangens von Etwas, was man nicht durch eigene Arbeit und Bemühungen erzielt hat, Verlegenheit und Scham ist." In der Terminologie des Sohar heißt es: "Er isst das Brot der Schande." Um von den Empfängern den Makel der Schande zu tilgen, welcher nach ihrem "Essen von unverdientem Brot" anwesend ist, erschuf G-tt diese Welt, und bevölkerte sie mit irdischen Körpern, mit deren Hilfe die Seele arbeiten und kämpfen muss. Durch Gebet, göttliche Anbetung, Lernen der Torah und das Bewahren ihrer Lehren, Gesetzen und ihrer Ethik, wird das Ziel der Reinigung und Heiligkeit erreicht. Nachdem die notwendige Menge an Leistung verrichtet ist, schenkt G-tt das unbeschreibliche Himmlische Licht der hingebungsvollen Seele, während sie noch auf der Erde weilt, - und es wird keine Schande mehr gefühlt werden.

Der Empfänger dieser Fülle erfährt die allumfassende Güte und die Vollkommenheit seines Schöpfers und kennt außerdem die Freude und die Zufriedenheit, die der erfolgreichen Vollendung der anspruchsvollen Arbeit folgt.

Über diese Lösung des Sohar reflektierend, stellen wir fest, dass die Arbeit, die in das Studium der Torah und in die Befolgung aller Lehren und Gebote eingesetzt wird, noch nicht mit der endlosen Belohnung der Himmlischen Freigiebigkeit, die dem Individuum geschenkt wird, gleich zu bewerten ist. Wie kann eine Lebenszeit der Arbeit die Belohnung des ewigen Glückes ausgleichen? Betrachten Sie folgendes Beispiel einer wohlhabenden Person, die einen Mann bat, eine bestimmte manuelle Aufgabe für eine Stunde pro Tag durchzuführen, und die den Arbeiter für diese eine Stunde mit einer übertriebenen Menge Geld honorierte, einer Vergütung, die weit über dem Wert der geleisteten Arbeit lag.

12) Um die Antwort des Sohar zu verstehen, dass die Seele, indem sie in diese irdische Gruft gesteckt wurde, die der menschliche Körper ist, und durch die Leistung aller religiösen Aufgaben, die unbegrenzten himmlischen Belohnungen verdiene, müssen wir mit der Diskussion und der Analyse der Form und Funktion des Göttlichen "Gedankens" beginnen, der das Universum, die Himmlischen und terrestrischen Welten erschuf.

Es ist offensichtlich, dass der Vollendung dieser gesamten Schöpfung nur ein einzelner Gedanke vorangegangen war, und nicht eine Menge "Gedanken" des Schöpfers, wie es der Fall wäre, wenn ein begrenztes menschliches Wesen ein Haus oder eine ähnliche Einrichtung errichten sollte. Das wesentliche Attribut des Schöpfers ist, wie bereits vorher erwähnt wurde: "Echad, Yachid, Myuchad", absolute Einheit in jedem Detail.

So wie die Eigenschaft des Schöpfers absolute Einfachheit und Schlichtheit ist, ist es auch mit den Himmlischen Lichtern, die von Ihm ausströmen. Sie sind ruhig, fein, eben und einfach, wie ihre Quelle, das Unbegrenzte.

Infolgedessen decken die Ausstrahlungen ihrem Schöpfer keine zusätzlichen Merkmale oder Verschiedenartigkeiten auf, noch haben sie irgendwelche eindeutigen Phasen, durch die sie als spirituelle Instanzen definiert werden können. Daraus können wir die Tatsache ableiten, dass alle Namen und Benennungen, alle Himmlischen und irdischen Welten, ein einfaches Himmlisches Licht sind, wie in der Beschreibung "Echad, Yachid, Myuchad" wiederholt wird. Dass wirklich alle Enthüllungen nur ein Himmlisches Licht sind, wird in dem Verhältnis des Schöpfers zu jeder einzelnen und allen Ausstrahlungen gesehen.

Zum Beispiel sind die Ausströmung des Himmlischen Lichtes, der Gedanke der Schöpfung, die Tat der Schöpfung, der Ausführende dieser Tat, alle diese Komponenten eine und die selbe Sache, während dieser Ausfluss noch innerhalb der Grenzen des Schöpfers bleibt.
Wir müssen die grundlegende Lehre im Hinterkopf behalten, dass mit einem "Gedanken" des Schöpfers, alles Existierende ausgestrahlt und erschaffen wurde, die höheren Welten in Verbindung mit den unteren Welten, einschließlich der evolutionären Prozesse der Entwicklung, welche die Schöpfung ständig durchmacht, bis alle Aufgaben ihre abschließende Beendigung finden; dann ist ‚Gmar Tikun' erreicht, das Ende der Korrekturzeit. Dieses ist das wirkliche Ziel, in dessen Richtung alles strebt.

Demnach ist dieser einzigartige Gedanke des Schöpfers tatsächlich:
a) der Ausführende von Allem; b) die Substanz aller Handlungen; c) die Mühe und die Anstrengung; d) der Vollender des Ziels; e) die Vervollkommnung und die volle Belohnung welche die Geschöpfe erwartet. Dies alles wird aus den Wörter "Echad, Yachid, Myochad" des berühmten Weisen Nachmanides gedeutet. (siehe oben)

13) In den einführenden Kapiteln zum "Baum des Lebens" hat Rabbi Isaac Luria das Thema bezüglich der ersten Einschränkung (Tzimtzum) sorgfältig ausgearbeitet, das eines der subtilsten und schwierigsten Themen der Kabbala ist.

Er erklärt, dass wegen der Einschränkung oder Zusammenziehung, alle Welten aufgedeckt wurden. So werden wir geleitet festzustellen, dass die verschiedenen Phasen des Bösen auch das Resultat der Einschränkung waren, und dass sie mit dem Schöpfer entstehen, wie wir durch die Wörter des Propheten erklärt bekommen: "Er bildet das Licht und Er erschafft die Dunkelheit."

14) An diesem Punkt müssen wir jedoch die Tatsache hervorheben, dass Böses und Dunkelheit vollständig gegensätzliche Faktoren gegenüber der Göttlichkeit darstellen. Daraus ergibt sich folgende Frage: Wie kann das Böse vom Schöpfer hervorgerufen werden? Wie können Verfall und Dunkelheit hand in hand mit Licht und Glückseeligkeit vorkommen, und alles stammt aus der Essenz, dem Wesentlichen des Gedankens der Schöpfung? Wir dürfen uns auch nicht nur während eines Momentes vorstellen, dass es zwei unterschiedliche Gedanken in der Schöpfung geben könnte: - einen Gedanke des Lichtes und einen Gedanke der Dunkelheit. In welcher Weise ist dann diese Dunkelheit Ihm zuzuschreiben? Diese Dunkelheit, welche die Quelle aller Abstufungen der Verdorbenheit und des Übels ist, das in dieser irdischen Sphäre existiert. Wie können die zwei gegenüberliegenden Polaritäten, Licht und Dunkelheit, oder Gut und Böse, in einem einzigen Gedanken der Schöpfung zusammen sein?

15) Wir können das Problem erklären, indem wir die Natur des Gedankens der Schöpfung überprüfen. Wir wissen, dass das abschließende Resultat jeder möglicher Handlung, schon in der ersten Betrachtung oder dem ersten Gedanken dieser Tat anwesend ist. Diese Grundregel trifft nicht nur auf den Gedanken der Schöpfung zu, sondern auch auf die menschlichen Gedanken. Eine Menge von Gedanken können in die Vollendung jeder möglichen Tat münden, jedoch ist der Ablauf aller dieser Gedanken, bereits im aller ersten Gedanken vorhanden, genau wie das abschließende Ende schon darin anwesend ist. Zum Beispiel wenn man ein Haus plant, ist der erste Gedanke das Bild von der fertigen, kompletten Struktur. Jedoch bevor dies erreicht wird, müssen viele Details bedacht und ausgeführt werden. Das fertige Haus folgt erst nach vielen Gedanken und vielen Tätigkeiten. Deshalb sagen wir, dass die abschließende Handlung im ersten Gedanken anwesend ist.
Der Gedanke der Schöpfung ist die Menschheit zu beschenken. Der letzte Akt in diesem Gedanken ist die Erschaffung des Menschen, der bereit ist, dieses Geschenk zu empfangen.

Uns wird die einfache, grundlegende Vorstellung gelehrt, dass durch den Gedanken G-ttes, alleine durch Ihn, alles erschaffen und zur Vollendung gebracht wird. G-tt ist nicht wie das menschliche Wesen, das gegenwärtige Hilfsmittel und Instrumente verwenden muss, um seine Handlungen und Pläne zu verwirklichen. Sein Gedanke Selbst genügt, alle Taten blitzschnell durchzuführen. Folglich können wir verstehen, dass sobald G-tt an den Plan der Erschaffung des Universums und an Sein Ziel, die Menschheit mit ewiger Freude und Güte zu beehren dachte, sofort ein Licht von Ihm ausströmte und sich ausdehnte. Dieses Licht war die Umhüllung von allem, einschließlich des gesamten Universums mit allen seinen Geschöpfen und seinen Funktionen, seiner vollen Größe, Schönheit und Gestalt, sowie die Fülle, die Er erwog, über sie auszuschütten. Alles war in diesem Seinem einzigen Gedanken enthalten, den wir den "Schöpfungsgedanken" nennen.
Behalten Sie sich diese Wahrheiten gut im Gedächtnis.

Als G-tt über die Schöpfung einer Welt nachdachte, die den ultimativen Sinn haben sollte, der Menschheit Seine Unendliche Güte zu schenken, dann waren in diesem besonderen Gedanken die Himmlischen Welten, mit allen ihren Engeln und Seelen, sowie die irdischen Welten, mit allen ihren Wesen und ihrem kompletten Anteil der Fülle, beinhaltet.

16) Da wir uns jetzt bewusst sind, dass der Hauptzweck der Schöpfung darin liegt, dass G-tt Seine Unaussprechliche Güte allen bewilligen konnte, können wir die Notwendigkeit des "Wunsches" verstehen, der dem Licht innewohnend ist, der die gesamte Schöpfung, sofort nach seinem Umfang, festlegt. Dieser Wunsch ist "ein Wille zu empfangen". Er stellt das Gefäß, sowie das genaue Maß für die Freigiebigkeit dar, die empfangen werden soll. In anderen Worten, entspricht die Menge des Lichtes ganz exakt dem Anteil dieses "Willens",
- G-tt bringt nicht mehr Licht in eine spirituelles Wesen als der tatsächlicher Wunsch es fordert. Das Maß des Wunsches soll erfüllt werden, nicht mehr und nicht weniger. Würde G-tt mehr Licht zuteilen als es der "Wunsch" ist, würde dieses nicht als eine Verleihung Seiner Unendlichen Liebe und Seiner Fülle gelten.

Wir benennen "den Willen zu empfangen", der notwendigerweise im Licht implantiert ist (und in jedem erschaffenen Ding) wegen des Gedankens G-ttes jedem die Fülle zu bringen, ein "Gefäß", ein "Empfänger" oder ein "Träger" dieses Lichtes. Wie vorher bereits erwähnt, stimmt die Ausdehnung des Lichtes mit den Ausmaßen des Gefäßes überein.

Wenn wir von einer Person sprechen, die eine große Menge Nahrung zu sich nimmt, oder von einer anderen Person reden, die mit weniger zufrieden ist, denken wir nicht an die Größe ihrer jeweiligen Körper, sondern an die Größe ihres Appetits. Tatsächlich sehen wir häufig beleibte Personen, die wenig essen, und schlanke, feine Personen, die viel essen. Also ist es für uns naturgemäß festzustellen, dass der Empfänger der Nahrung einer Person nicht sein Körper ist, sondern sein "Wille zu empfangen" oder "Ratzon Lekabel", der das tatsächliche Gefäß, auch einer materiellen Ernährung ist.

So ist es selbstverständlich, dass die Kapazität für das Empfangen der materiellen Nahrung vom Ausmaß des Appetits abhängt. Genau so ist es mit der spirituellen Freigiebigkeit, bei der ‚der Wille zu empfangen' das genaue Maß des Lichtes ist, und er ist es, entsprechend der Intensität oder dem Maß des Willens, der von seiner Quelle, dem Schöpfer zugeteilt wird. Folglich ist der Wille der Träger für das Licht.

17) Nun sind wir vorbereitet, etwas ausführlicher das Thema der Seele zu behandeln. Wie vorher von den Weisen zitiert, ist die menschliche Seele ein Teil von G-tt. Mit welchen Mitteln unterscheidet sich dann die Seele, als Geist, vom Schöpfer oder von Seinem einfachen, feinen Licht, auch Geist, damit sie vom Ursprünglichen einfachen Licht getrennt wird, das als das Ganze oder der All-Umfassenden Geist bekannt ist?

Wenn wir uns tief auf die Seele als einen Teil besinnen, und das Ebene Licht als Ganzes, als Ursprung der Seele, sehen wir leicht die Wahrheit des Unterschiedes zwischen der Seele und seiner Quelle. In dem Teil, der vom Einfachen Licht getrennt wird, fand eine wesentliche Änderung statt. Obgleich dem Schöpfer mehr endlose Phasen und Attribute zueigen sind, als man sich vorzustellen vermag, finden wir doch einen Punkt, der dem Schöpfer fehlt. Der Schöpfer enthält in Sich Selbst alle Schöpfungen und auch dasjenige, mit dem sie erfüllt werden. Jedoch haben Menschen eine Tendenz oder ein Merkmal, das G-tt nicht hat; es ist der Wille oder Wunsch, zu empfangen. Es ist ausschließlich die Natur des Menschen, denn von wem könnte G-tt etwas empfangen? Er ist die Quelle von allem.
Doch hat Er die Seelen zu dem einem Zweck erschaffen, ihnen die Himmlische Fülle, den Überfluss einzuschenken, sie mit Trost, Freude und Frieden zu überfluten, und folglich werden sie abhängig und gebunden sich diese Geschenke zu wünschen, die Er anbietet. Sein einziger Gedanke, als Er sie erschuf, war, ihnen unendliches Glück und Wonne zu spenden.

Durch diese erneut entdeckte Tendenz ‚eines Wunsches zu empfangen', werden die Seelen vom Schöpfer getrennt. Wir haben vorher bereits gesagt, dass eine materielle Substanz durch Werkzeuge geteilt wird, und dass Teile von ihr getrennt werden, indem man sie auf unterschiedliche Orte verschiebt. Mit der spirituellen Substanz finden Aufteilung und Trennung nur durch entgegengesetzte Phasen statt. Wir bezeichnen den Charakter des Geistes durch das Maß seines Wunsches, oder den potentiellen Willen zu empfangen. Entsprechend der Intensität "des Wunsches" mit welchem ein Wesen gefüllt wird, wird diese Person vom Ursprung entfernt oder verschoben.
Der Schöpfer beispielsweise ist lediglich ein Spender. Er gibt und gleicht aus, empfängt aber nichts zurück. Sein ist das Maß des vollkommenen Gebers.

Andererseits ist es unumgänglich, dass der Mensch eine Sehnsucht nach der Erfüllung seiner Bedürfnisse hat. Wenn der Wunsch oder ‚der Wille zu empfangen' normal und ausgeglichen ist, ist alles gut, obwohl er unterschiedlich zum Ursprung ist. Obgleich die Neigung des sich Wünschens einen Einschnitt bedeutet, der das Wesen vom Ursprung trennt, bewegt es ihn nicht zu weit fort. Wenn jedoch übermäßige Begierde sich in den natürlichen Wunsch einschleicht, wird der Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf größer. Die Habgier kann so zunehmen, dass sie ein Wesen vollständig vom Ursprung trennt. In diesem Fall ist die Wesensart ganz und gar selbstzentriert und völlig unterschiedlich zum Schöpfer.

Wir müssen daran erinnern, dass der Schöpfer der Ursprung von allem ist, deshalb liegt es an Ihm, ob die Fülle und die Nahrung entstehen. Wenn die Trennung vom Schöpfer nicht vollständig ist, erlaubt der bestehende Teil der Übereinstimmung mit G-tt, dem Wesen mit Ihm zu kommunizieren und spirituelle Nahrung zu erhalten. Ist das Wesen zu dem Ursprung völlig verschieden, dann gilt es als getrennt oder unstimmig, und der Abgrund von Begehrlichkeit verhindert jedes mögliche Fließen von Nahrung aus der Quelle, der Wurzel. Solch eine Instanz wird als absolut fremd, und zum Ursprung in Disharmonie stehend, betrachtet.

 

 

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Übersetzung von Peter Staaden