Die Lehre von den Zehn Sefirot

von Rabbi Yitzhak Luria - ARI
mit dem Kommentar des Kabbalisten
Rabbi Yehuda Levi Ashlag (1882-1955)
über "Der Baum des Lebens" des ARI

* Der Text des Baumes des Lebens ist in BLAU
* Die Überschrift des Kommentars ist: DAS INNERE LICHT


 

2. Teil   

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...NÄMLICH WIE EINE (5) LEERE ATMOSPHÄRE, (6) AUSHÖHLUNG ODER VERTIEFUNG, FÜR ALLES (7) GEFÜLLT MIT DIESEM EINFACHEN, GRENZENLOSEN LICHT, UND ES (8) KEIN SOLCHES TEIL WIE EINEN KOPF UND KEIN SOLCHES TEIL WIE EINEN SCHWEIF GAB; DAS HEISST, ES GAB WEDER EINEN ANFANG NOCH EIN ENDE, DENN ALLES WAR (9) EINFACHES UND RUHIGES AUSGEWOGENES LICHT (10) AUSGEGLICHEN UND GLEICHMÄSSIG IN EINER GLEICHHEIT UND AFFINITÄT. DIES WIRD (11) DAS UNENDLICHE LICHT GENANNT.


 

DAS INNERE LICHT

 

(5) LEERE ATMOSPHÄRE

Dies bezieht sich nicht auf die Atmosphäre dieser irdischen Welt, jedoch auf jene "Luft", von der die irdische Atmosphäre eine Kopie darstellt; es gibt eine Art spirituelle Atmosphäre, die den bildlichen Namen der "Atmosphäre" annimmt. Noch ist das Ganze Eins.

Beachten Sie, dass es zwei Arten von Licht in jeder vollständigen himmlischen Phase gibt. Sie sind: Erstens, das Licht der Weisheit, und an zweiter Stelle, das Licht der Gnade oder der Anmut. Das Licht der Weisheit ist die Substanz der Phase oder ihr wesentliches Leben. Das Licht der Gnade ist nur das Licht, welches das Licht der Weisheit bekleidet, es wie eine äußere Umhüllung und Bedeckung umgibt, denn die Weisheit hat, bevor sie sich in das Gewand der Gnade kleidet, keine Mittel, mit deren Hilfe sie diese Phase erreichen könnte, was in dieser Phase so sein muss.

In Zeiten, in denen die Phasen in ihrem "kleinen" Zustand sind, (Zustand der Verminderung) besitzen diese nur das Licht der Gnade oder Anmut. Wir müssen verstehen lernen, dass dieses Licht der Gnade oder Anmut, Atmosphäre oder Geist genannt wird. Wenn es für sich allein ohne das Licht der Weisheit existiert, wird es durch den bildlichen Namen "leere Atmosphäre" definiert, denn es ist ohne das Licht der Weisheit, und es sehnt sich am leidenschaftlichsten nach letzterem, um dort hinein gezogen zu werden, und damit angefüllt werden zu können.

Der Autor erklärt uns, dass, bevor die Welten überhaupt erschaffen wurden, es in der Grenzenlosen Welt, keine solche Unterscheidungen wie "leere Atmosphäre" gab, da die Unendliche Welt unfehlbar und völlig frei von jeder nur denkbaren Spur eines Mangels ist.

 

(6) AUSHÖHLUNG ODER VERTIEFUNG

Um dieses Wort zu bestimmen, ist es notwendig, dass Sie zuerst die Qualität oder die Natur eines spirituellen Gefäßes verstehen lernen. Was ist damit gemeint? Es ist das ausgeströmte Seiende oder Wesen, dass seinen Überfluss oder die Substanz, die es für das Leben braucht vom Emanator, dem Ausströmenden, empfängt. Es ist unvermeidlich, dass das ausgeströmte Wesen diesen Überfluss vom Schöpfer erwünschen und ersehnen muss.

Bedenken Sie, dass das Maß und die Intensität des Willens zu empfangen die allgemeine Substanz des ausgeströmten Wesens kennzeichnet. Alles, was das ausgeströmte Wesen außerhalb dieser Substanz besitzt, hat keine Beziehung zu seiner Essenz; es gehört zu seiner Form oder dem Wesentlichen des Überflusses, welches es vom Schöpfer empfängt. Außerdem bedingt diese Substanz die Breite und die Höhe, in hebräisch das "Koma", von jedem ausgeströmten Wesen, jeder Phase oder Sefira (das göttliche Attribut).

Die Ausbreitung des Höchsten Lichtes des Emanators ist grenzenlos, jedoch bildet das ausgeströmte Wesen selbst eine Begrenzung seiner Proportionen, in Übereinstimmung mit seiner eigenen Haltung, seinem Verhalten. Es kann am Überfluss nur in Übereinstimmung mit seinem Verlangen und Willen zu empfangen, teilhaben. Genau dies ist das tatsächliche Maß, das in den spirituellen Stoffen wirksam ist, da es dort keinen Zwang oder Druck gibt.

Das ausgeströmte Wesen besteht nur aus dem Willen zu empfangen. Wegen seines Willens verließ es die Grenzen des Emanators und wurde als ein unterschiedliches Sein existent. Es wurde durch den Willen zu empfangen als losgelöstes Wesen gekennzeichnet, da es kein Vorkommen solch eines Willens im Emanator gibt. Wie könnte im Emanator ein Wille zu empfangen funktionieren? Von wem könnte Er empfangen?

In den späteren Kapiteln werden wir erklären, dass dieser Wille zu empfangen vier Grade, Stufen oder Phasen beinhaltet, die vom kleinen, potentiellen und embryonalen Stadium, der sein erster Grad ist, zum vierten Grad fortschreitet, in welchem er in seiner vollen Entwicklung mit einer aktiven Kapazität von Empfangsbereitschaft ist. Dieser letzte Grad, in seiner gesamten Vollkommenheit, wird nur in der Unendlichen Welt, vor der Erschaffung aller Welten, vorgefunden.

Dieser vollkommene Wille zu empfangen, der Unendlichen Welt, durchläuft eine Einschränkung oder "Tzimtzum". Dieses wird noch gänzlich in den späteren Erörterungen umrissen werden, aber lassen Sie uns hier erwähnen, dass "der Wille", völlig entleert des unendlichen Überflusses wurde, verglichen mit dem, was er vorher in der Unendlichen Welt besaß. Nach der Zurücknahme des Lichtes verblieb ein Vakuum. Das ist, was der Autor meint, wenn er sagt, dass bevor das Universum erschaffen wurde, die Unendliche Welt nicht einmal eine Andeutung dieses Vakuums enthielt.

 

(7) GEFÜLLT MIT DIESEM GRENZENLOSEN LICHT

Das heißt, überhaupt nichts kann in oder zu dieser Welt hinzugefügt oder in sie hineinplatziert werden.

 

(8) KEIN SOLCHES TEIL WIE EINEN KOPF

Der Inhalt der Begriffe Kopf (Haupt) oder Schweif (Ende) wird in den späteren Kapiteln erklärt.

 

(9) EINFACHES ODER RUHIGES AUSGEWOGENES LICHT

Dies bedeutet, dass es keine Nuance oder Abstufung gibt, wie Kleinheit oder Größe, denn alles war gleich, wie später erklärt werden wird.

 

(10) GLEICHMÄSSIG ODER AUSGEGLICHEN IN EINER GLEICHHEIT ODER AFFINITÄT
Dies soll besagen, dass dort keine Unterscheidung in unterschiedliche Grade der Reinheit, der Klarheit oder der Stärke vorhanden ist, durch die Formen erkennbar sein könnten; Unterscheidungen oder Maßstäbe kamen nur mit der Neueinführung des Tzimtzums in das Sein. Dieses wird ebenso später erklärt.

 

(11) DAS UNENDLICHE LICHT

Wir haben keinerlei Vorstellung von der Unendlichen Welt. Wenn wir dafür diesen Namen "Unendlich" verwenden, müssen wir bedenken, dass normalerweise ein Name auf dasjenige anspielt oder auf dessen Idee verweist, das wir versuchen zu definieren. Da wir nicht einmal eine Andeutung eines Verständnisses dieser Welt besitzen, nennen wir sie passend dazu: die "Unendliche Welt".

Die beste Erklärung dieses Themas liegt in der Tatsache, dass dieser Name "Unendlich" den Unterschied zwischen der "Unendlichen Welt" und allen Welten, die sich unter ihr befinden, definiert. Die Einschränkung des Lichtes trat außerhalb der "Unendlichen Welt" auf, und nach dieser ersten Beschränkung wurde die Funktion der Begrenzung in allen Welten, die unterhalb der Unendlichen Welt sind, wirksam. In welchem Ort oder Raum sie auch immer ihre Funktion und Tätigkeit enthüllt, blockt sie das Licht von diesem bestimmten Raum ab und verbirgt Es, so dass Es an dieser Grenze anhält.

Folglich ergibt sich jede Grenze oder Begrenzung, die in jeder Ausbreitung des Lichtes und in jeder einzelnen Phase auftreten könnte, aus der Energie der ersten Einschränkung. Durch diese Auswirkung, die der Begrenzung widerfährt, geschieht es, dass die Enthüllung und Manifestation aller Wesen, aller vielfältigen Unterschiede, Unterscheidungen und Änderungen an jedem Ort, überall stattfinden.

Aus diesem Grund gibt es keine Einschränkung in der Unendlichen Welt; eine Begrenzung findet dort nicht statt und demnach wird sie "Unendlich" genannt. Der Name "Unendlich" lehrt uns, dass in der "Grenzenlosen Welt" keinerlei Art eines Endes oder irgendeiner Begrenzung existiert.

Daraus schließen wir, dass das "Unendliche Licht" der Grenzenlosen Welt Einfach, Ruhig und Ausgeglichen ist, sowie, dass es von gleicher Ähnlichkeit ist. Eins ist die Ursache des Anderen, so dass dessen Ähnlichkeit aus dessen Qualität der Einfachheit und der Ausgeglichenheit erfolgt. Da es kein Ende oder Grenze zum Licht der Unendlichkeit gibt, muss Es durch und durch gleichförmig sein.

 

 


(12) UND ALS IN SEINEM EINFACHEN UND RUHIGEN WILLEN DER WUNSCH WAR, DIE WELT ZU ERSCHAFFEN UND DIE AUSSTRÖMUNGEN AUSZUSTRÖMEN, DIE VOLLKOMMENHEIT SEINER TATEN UND SEINER NAMEN UND SEINER BEZEICHNUNGEN ANS LICHT ZU BRINGEN, WAR DIES DIE URSACHE DER SCHÖPFUNG DER WELT.


 

DAS INNERE LICHT

 

(12) IN SEINEM EINFACHEN UND RUHIGEN WILLEN ENTSTAND DER WUNSCH

Beim Versuch einen "Willen" in der Unendlichen Welt zu definieren und zu unterscheiden, muss daran erinnert werden, dass dies weit über der Kapazität der menschlichen Auffassung oder Vorstellungskraft liegt. Wie Sie bereits von vorangegangenen, bereits erklärten Behauptungen wissen, ist es ein vorherbestimmter Umstand, dass in jedem ausgeströmten Wesen ein Wille oder Verlangen existieren muss, den Überfluss vom Schöpfer zu empfangen.

Im Unendlichen, ist dieser Wille Einfach und Ruhig, wie es durch die verschleierten Wörter übermittelt wird: "Er ist Eins und sein Name ist Eins".

Wie im ersten Kapitel von von "Rabbi Eliezer der Große" angeführt wird, und wie es auch durch den Autor auf den folgenden Seiten erklärt werden wird, ist das Licht der Unendlichkeit in dem einen Wort "Er" zusammengefasst und der Wille zu empfangen, der notwendigerweise in der Unendlichen Welt existieren muss, als "Sein Name" angegeben. Sie beide, das heißt "Er" und "Sein Name", dienen in der Kapazität der Konzepte einer einfachen, absoluten Einheit; sie haben keinen Bruch oder Trennung irgendwelcher Art zwischen sich.

Wahrhaftig, Sie dürfen hier wirklich keinen Vergleich ziehen, zwischen der "Trennung" oder "Einheit", wie sie hier behandelt wird, und den gleichen Bezeichnungen, die für dinghafte, fühlbare Substanzen angewendet werden, die mittels Unterteilung und Bewegung getrennt werden, denn die spirituelle Instanz, das spirituelle Wesen besetzt überhaupt keinen Ort oder Raum. Berücksichtigen Sie immer die Tatsache, dass eine spirituelle Trennung nur durch eine Verschiedenartigkeit der Phase oder des Zustandes entsteht. Wenn es geschieht, dass eine bestimmte spirituelle Instanz eine zusätzliche Phase erwerben möchte, die zu ihrer ursprünglichen Phase unterschiedlich ist, dann ergibt sich sofort eine Transformation, und es wird eine neue Phase durch das spirituelle Wesen eintreten. Es verlässt seinen vereinten Zustand von absoluter, ursprünglicher Einfachheit und des Eins Seins, und nimmt zwei eindeutige und unterschiedliche Phasen an. Ihre Entferntheit von einander hängt von dem Grad der Verschiedenartigkeit ab, die jetzt in den zwei Phasen existiert, die früher eine waren.

So wie die Trennung oder die Vereinigung der greifbaren, fühlbaren Objekte dadurch erreicht wird, dass man sie im Raum entweder voneinander entfernt oder einen Teil dem anderen näher bringt, so ist es auch mit den spirituellen Wesenheiten, die entweder Trennung oder Vereinigung durch eine Transformation mit abtrennender Wirkung, oder einer Wirkung von Affinität erfahren, die eine Phase mit der anderen vereinigt. Behalten Sie dies im Gedächtnis, denn es ist der erste Schlüssel zur Weisheit.

Sie sollten nun das Geheimnis der vorhergehenden Äußerung verstehen können, die besagte, dass "Er und Sein Name Eins sind" und ebenso die Aussage der absoluten und unfehlbaren Einheit in der Unendlichen Welt. Wir möchten besonders hervorheben, dass diese Übereinstimmung von "Er" und "Sein Name" für eine unfehlbare Einheit steht, und dies eine der wunderbarsten und erstaunlichsten Mächte des Schöpfers ist.

Wir haben jetzt den Unterschied erklärt, der zwischen dem Emanator und dem Ausgeströmten besteht. Eine Ausströmung wird wegen der Verschiedenartigkeit der Phase im ausgedehnten Licht aufgedeckt. Das ausgeströmte Wesen verfügt über den Willen zu empfangen, im Emanator existiert dieser jedoch nicht. Er (der Wille) erstellt eine Verschiedenartigkeit der Phase zwischen dem Emanator und dem ausgeströmtem Wesen, er trennt oder sondert das Letztgenannte vom Ersteren ab, und veranlasst so das ausgeströmte Wesen, seinen eigenen bestimmten Namen zu erwerben.

In dieser Betrachtung ist es leicht möglich, sich zu irren und zu denken, dass das Unendliche Licht, welches "Er" genannt wird, nicht völlig mit dem Unendlichen vereinigt sei, welches als "Sein Name" bezeichnet wird, was dem Willen zu empfangen entspricht. Wahrhaftig ausgedrückt: Das Höchste Licht, das von Seiner Substanz ausströmt, welches "Er" genannt wird, hat ausschließlich die Natur zu übermitteln, zu geben oder zu schenken, Ihm ermangelt es absolut jeglicher Phase von Empfangsbereitschaft. Die Unendliche Welt jedoch, welche die Benennung "Seines Namens" trägt, enthält den Willen zu empfangen, und demgemäß muss ihre Phase vom Unendlichen Licht unterschieden werden - und, wie wir bereits wissen, bedeutet eine Verschiedenartigkeit der Phase eine Abtrennung.

Angesichts diesen Dilemmas hören wir die eindeutige und nachdrückliche Äußerung des Rabbi Eliezer der Große, dass "Er" und "Sein Name" eine absolute und reine Einheit sind, und sie keine Unterscheidung oder Abtrennung irgendeiner Beschreibung trennt.

Obwohl hier notwendigerweise ein Anschein einer Verschiedenartigkeit der Phase, zwischen "Er" und "Sein Name" eingeworfen werden muss, wie wir auch bereits vorher erfuhren, ist dort dennoch diese Verschiedenartigkeit absolut nicht wahrnehmbar. Wir vermögen uns keine Vorstellung solch eines Phänomens zu machen, und doch ist es genauso, ohne den allergeringsten Zweifel.

Hinsichtlich dieser Thematik sagt uns das Heilige Buch des Sohar, dass kein menschliches Gehirn oder Intelligenz irgendetwas vom Unendlichen Licht oder seinem Gefäß erfassen kann, da Es über den menschlichen Geist oder seine intellektuellen Kräfte hinaus reicht.

 

 


(13) SIEHE DA, DANN BESCHRÄNKTE ER SICH SELBST, (14) IM MITTLEREN PUNKT DER IN IHM IST, GENAU IN DER MITTE, SCHRÄNKTE ER DAS LICHT EIN.


 

DAS INNERE LICHT

 

(13) BESCHRÄNKTE ER SICH SELBST

Sie kennen bereits die innere Bedeutung der Wörter "Er" und "Sein Name", die das "Licht" und "Sein Aufnahmegefäß" bezeichnen. Obgleich eine Verschiedenartigkeit der Phase in Form eines Willens zu empfangen besteht, der im Unendlichen enthalten ist, führt dies dennoch zu keiner Spaltung zwischen dem Gefäß und Seinem Licht, und Sie sind in absoluter, einfacher Einheit.

Dennoch, trotz all unserer Kommentare, welche die Gleichheit und die Identität des Lichtes und des Gefäßes belegen, veranlasste die vorhandene Verschiedenartigkeit der Phase, die Schöpfung der Welten, um die Vollkommenheit Seiner Taten, Seiner Namen und Seiner Benennungen zu enthüllen.

Durch die Schöpfung der Welten, mit ihren Potenzierungen bis hinunter zu dieser irdischen Welt, wird ein geeigneter Ort für die göttlichen Dienste gemäß der Torah und ihren Geboten vorbereitet, (nicht mit dem Ziel eines Verdienstes oder einer Belohnung, sondern zum alleinigen Zweck des Weitergebens der Freude an den Schöpfer.) Die Seelen werden dann bereit, ihren Willen zu empfangen (was sie vom Schöpfer ablöst und trennt) in einen Willen zu geben umzuwandeln (der dem Willen des Schöpfers ähnelt), und auf diesem Weg den höchsten Grad von Hingabe und Einheit zu erreichen. Wenn dieses Stadium der Einheit durch die Seelen erreicht ist, ist ihr Wille zu empfangen bereits von ihnen abgestreift worden, denn sie haben anstatt dessen einen Willen zu schenken. Sie werden Altruisten anstelle von Egoisten. Der Wille zu schenken ist wie der Wille des Schöpfers, Er Selbst.

Sie sind bereits vollständig unterrichtet worden, dass eine Ähnlichkeit oder Gleichheit der Phase die Einheit der Seelen, des Geistes erzeugt und folglich die Ähnlichkeit der Phasen alle Welten mit ihrem Ursprung vereinigt.

Dies ist, was Rabbi Isaac Luria (ARI) meint, wenn er feststellt: "In Seinem Einfachen Willen entstand der Wunsch zu erschaffen"; Das Wort "entstand" entspricht einem Zustand der Reinheit und absoluten Einheit. Der Wille zu empfangen, der im Unendlichen das "Königreich des Unendlichen" oder "Sein Name" genannt wird, war vollständig mit dem Höheren Licht vereinigt, dennoch, fühlte Er die Notwendigkeit sich zu verbessern um so eine Erhebung seiner Phase zur absoluten Affinität mit dem Höchsten Licht zu verdienen. Er muss seinen ausgiebigen Willen zu empfangen aufgeben, um dann fähig zu sein, sich mit dem Höchsten Licht zu vereinigen, da nur eine Ähnlichkeit der Phase die Einheit bewirken kann.

Das alles ist in der Definition des Wortes "entstand" enthalten. Das heißt, dass das "Königreich des Unendlichen" aufgestiegen ist. Dies bedeutet, dass der "einfache liebliche Wille" emporgestiegen war und sich mit dem Höchsten Licht verknüpft hat; dies wiederum sagt aus, dass er auf seinen eigentlichen Willen zu empfangen verzichtet hat.

Der Autor spricht dies auch an, wenn er sagt, dass "Er sich dann einschränkte" etc. was bereits im Kommentar zu den Wörtern "leere Atmosphäre" erklärt worden ist, dass das gesamte Maß des Überflusses und des Lichtes, was zu dem ausgeströmten Wesen ausgeströmt wird, entsprechend der Intensität des Wunsches zu empfangen, den dieses Wesen besitzt, abgeschätzt wird. Als dann das Königreich der Unendlichkeit sich selbst eingeschränkt hat und seinen Willen zu empfangen verminderte, wurde ihm schließlich aus sich selbst das Licht und sein Überfluss, genau passend, aufgrund dieser Verminderung des Willens entnommen. So verursachte das Ansteigen des Willens die Zurücknahme des Lichtes und den daher stammenden Überfluss.

 

(14) IM MITTLEREN PUNKT DER IN IHM IST

Dieses ist ein ungewöhnlicher Ausdruck; da es keinen "Anfang" und kein "Ende" gibt, wie können wir dann eine Mitte oder ein Zentrum voraussetzen?

Wie wir bereits festgestellt haben, muss eigentlich auch im Unendlichen notwendigerweise eine Art Wille zu empfangen existieren; jedoch wie schon vorher behauptet wurde und was den ruhigen und einfachen Willen betrifft, hat der Wille der Unendlichkeit keine Unterscheidungen von Graden, Nuancen oder Abstufungen, keine Kleinheit und keine Größe.

Weil der Wille zu empfangen, der dort existiert, nicht als ein Unterschied der Phase definiert wird, was zu einer Trennung führen würde, so ist er folglich dem Höheren Licht gegenüber nicht untergeordnet oder minderwertig.

Sie müssen bedenken, das es für das Höchste Licht notwendig ist, in 4 Grade ausgedehnt zu werden, um in dem ausgeströmten Wesen diesen "Willen zu empfangen" in seiner vollen Kapazität, festgelegt und dauerhaft, zu enthüllen.

Der Grund für die Notwendigkeit von vier Graden ist der folgende: Der Wille zu empfangen war gleichzeitig im Licht mit seiner Ausbreitung von der Wurzel oder von der Quelle enthalten; wegen dieses neuen Willens von Empfangsbereitschaft, schied sich das Licht vom Emanator ab und erwarb seinen eigenen bestimmten Namen. Es wurde vom Emanator ausgestrahlt, und wenn wir annehmen sollten, dass die Verschiedenartigkeit der Phase, was der Wille zu empfangen ist, nicht im Licht beinhaltet ist, würden wir es noch als "Emanator" betrachten, und nicht als Ausdehnung, die getrennt und vom Schöpfer entfernt ist. Ein Unterschied des Geistes kann man sich nicht einmal vorstellen, außer durch die Verschiedenartigkeit der Phase.

In der Tat, solange der Wille zu empfangen nicht durch das ausgeströmte Wesen selbst aufgedeckt oder erweckt wird, ist er in dieser neuen Phase noch nicht gebildet oder aufgenommen. Das ausgeströmte Wesen muss selbst den Überfluss ersehnen und erflehen. Erst dann kann man behaupten, dass der Wille zu empfangen wirklich nur vom ausgeströmten Wesen offenbart wurde. Dieses Sehnen kann nur auftreten, wenn ein Mangel gefühlt wird. Dann wird der Wille zu empfangen durch das Wesen selbst enthüllt, und in diesem Moment wird das Gefäß der Empfangbereitschaft auf Dauer vervollständigt.

Sie müssen ebenso immer im Gedächtnis behalten, dass alle Ausstrahlungen des Lichtes vom Emanator, während diese einen Willen das Licht zu empfangen beinhalten, ebenso einen Willen zu schenken besitzen. Wenn wir davon ausgehen würden, dass es dem ausgedehnten Licht an Willen zu Geben mangeln würde, dann wären der Emanator und das ausgeströmte Wesen ewiglich voneinander getrennt, und es würde ein unüberbrückbarer Abgrund zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf existieren. Eine komplette Verschiedenartigkeit der Phase würde sie so weit voneinander trennen wie entgegengesetzte Pole. (siehe: Kabbalistische Terminologie 42 - 45).

Es ist notwendig, dass jedes Licht, welches vom Schöpfer ausgeströmt wird, einen Willen zu geben oder zu schenken beinhaltet, so dass Es in enger Beziehung und Affinität mit dem Schöpfer bleibt. Wenn dieser Wille zu geben vom ausgeströmten Wesen enthüllt wird, veranlasst es letztendlich das Ausdehnen des Reichhaltigen Lichtes vom Emanator, und dieses erscheint dann wie auf Einladung durch den neu entstandenen Willen. Der Wille zu geben ist die Ursache dieser Ausbreitung, und dieses neue, ausgestrahlte Licht hat überall den Namen das "Licht der Gnade" oder der "Armut".

Die erste Ausbreitung vom Emanator des Lichtes, in Dem der Wille zu empfangen beinhaltet ist, wird immer das Licht der Weisheit genannt oder das Licht der Substanz.

Behalten Sie diese beiden Lichter gut in Erinnerung. Sie sollten wissen, dass das zweite Licht, das Licht der Gnade, unendlich geringer in Qualität im Vergleich zum ersten Licht, dem Licht der Weisheit, ist. Dieses ist so, da Es durch die Anstrengung des ausgeströmten Wesens, durch dessen eigene Arbeit und Bemühung, ausgedehnt wurde, und weil es seine Phase derjenigen des Emanantors ähneln lassen möchte. Alle seine Bemühungen und Anstrengungen werden aus dem Wunsch geboren, die Fähigkeit des Übermittelns, Teilens und Schenkens zu erreichen.

Die erste Ausstrahlung, das Licht der Weisheit, wird direkt vom Emanator ausgeströmt. Das ausgeströmte Wesen hat keinen Anteil am Entstehen dieser Ausströmung, und folglich überragt es das Licht der Gnade in unschätzbarem Maße.

Daraus folgernd können Sie die vier unterschiedlichen Varianten oder Abstufungen verstehen, die in jedem ausgestrahlten Wesen enthalten sind. Am Anfang wird das Licht vom Schöpfer ausgeströmt und verlässt Ihn als das Licht der Weisheit. Nur der Wille der Empfangsbereitschaft ist in Ihm eingeschlossen, der als die erste Unterscheidung, oder Stadium, Grad, Phase oder Stufe gekennzeichnet und unterschieden wird. Jetzt wird eine Anstrengung in diesem Willen ausgeführt, welche als der Wille zu teilen oder zu schenken definiert wird. Diese Bemühung verursacht das Licht der Gnade zu sich Selbst herangezogen zu werden. Diese Anstrengung wird als die zweite Stufe des "Willens" definiert.

Durch diese Anstrengung von Weisheit, wird das Licht der Gnade reichlich ausgedehnt. Dieser Prozess wird noch ausführlich in einem späteren Kapitel behandelt werden. Er stellt die dritte Unterscheidung dar.

Nachdem diese drei Abstufungen vollständig durchgeführt und offenkundig sind, wird die potentielle Energie des Willens zu empfangen wieder erweckt, und noch einmal zieht Er das Licht der Weisheit heran. Diese letzte Anstrengung des Willens zu empfangen, der das Licht der Weisheit veranlasst, zu ihm hingezogen zu werden, ist die abschließende Bemühung bei der Durchführung und dem Herstellen des Willens der Empfangsbereitschaft im offenbarten, oder ausgeströmten Wesen.

Dieser Wille zu empfangen wird schließlich als ein Verlangen und Sehnen enthüllt. Zu der bestimmten Zeit, als die Phase überhaupt keine Weisheit hatte, und nur vom Licht der Gnade in Besitz genommen wurde,(nach den drei erwähnten Stufen) mit anderen Worten, als es einen Grund für das ausgeströmte Wesen gab, das Licht der Weisheit zu erwünschen und zu ersehnen, erst in diesem Moment wurde sein Wunsch wirklich und intensiv. Solch ein Hunger oder Sehnen erstellt im ausgeströmten Wesen einen Willen zu empfangen, der den Willen zu seiner abschließenden Vervollständigung als das Gefäß der Empfangsbereitschaft führen wird. Jedoch, obgleich das erste Stadium des Willens zu empfangen in der ersten Ausstrahlung enthalten war, welche die Ausbreitung des Lichtes der Weisheit genannt wird, wurde dieser Wille nicht durch die Energie der "Phase" selbst bewirkt. Folglich ergibt sich die feste Regel, dass das Gefäß der Empfangsbereitschaft niemals in irgendwelchen der drei einleitenden Abstufungen des Willens zu empfangen vollendet wird, sondern nur in dieser vierten Abstufung oder Stadium, die auch als die zweite Anstrengung der "Phase" definiert wird. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aufnahmefähigkeit des Willens zu empfangen völlig abgeschlossen und vervollständigt.

An diesem Punkt ist es angebracht, die vier Abstufungen zu definieren, die in jedem ausgeströmten Wesen gefunden werden, wie schon bereits erklärt. Sie sind, wie folgt:

1. Die erste Ausdehnung, die als die erste Stufe des Willens betrachtet wird.
2. Die erste Anstrengung, die als die zweite Stufe des Willens definiert wird.
3. Die zweite Ausdehnung, die als die dritte Stufe des Willens angesehen wird.
4. Die zweite intensive Anstrengung, welche die 4. und letzte Stufe ist; es ist die volle Kapazität des Willens; welcher als das komplette "Gefäß der Empfangsbereitschaft" der Phase definiert wird.

Die zwei Ausdehnungen werden als "männlich" unterschieden, weil sie aus dem Überfluss bestehen, der vom Emanator ausgedehnt wird. Die erste Ausdehnung ist der Überfluss des Lichtes der Weisheit, und die zweite Ausdehnung ist der Überfluss des Lichtes der Gnade.

Die zwei Anstrengungen des Willen, die durch das ausgeströmte Wesen vollzogen werden, sind als "weiblich" definiert oder als die weibliche Polarität der Phase, da sie in dem ausgeströmten Wesen die Kapazität des Strebens, des Sehnens darstellen. Die Anstrengung des Willens entsteht durch die vitale Kraft der Bemühung in den zweiten und vierten Stufen.

Demnach ist die Natur der ersten Anstrengung ein Erwecken des Willens zu schenken im ausgeströmten Wesen, um eine Selbst-Entsagung zu erfahren. Diese Anstrengung ist die Wurzel oder Ursache dafür, das Licht der Gnade offenbar werden zu lassen, wie oben umrissen wurde.

Die zweite Anstrengung im ausgeströmten Wesen ist das Erwecken des Willens zu empfangen. Dieser Wille, sobald er einmal erreicht wird, ist das abschließende und komplette Gefäß der Empfangsbereitschaft in der Phase. Das Gefäß der Empfangsbereitschaft wird immer die vierte Stufe genannt.

Dieser vierte Grad des Willens wird der "Mittlere Punkt des Unendlichen" genannt, und er ist jener "Mittlere Punkt" über den der Autor spricht, wenn er sagt, dass ihm eine Einschränkung auferlegt wurde.

In dem Satz "Er schränkte sich in Seinem Mittleren Punkt ein", ist der Mittlere Punkt so benannt, da er das Gefäß der Empfangsbereitschaft für das Unendliche Licht ist, Das jenseits jeglichen Maßstabes und jeglicher Grenze liegt. Folglich wird dieses "Gefäß" als ein innerhalb liegender, zentraler Punkt in diesem "Unendlichen Licht" gekennzeichnet, mit dem Licht das sich mit ihm vereinigt, umgibt und unendlich umkreist, denn nur in dieser Weise ist es möglich, dass der Mittlere Punkt das Höchste Licht festhält, Welches nicht messbar und ohne Begrenzung ist.

Dieses ist bei dem Gefäß der Empfangsbereitschaft nicht der Fall, das nach der Kontraktion erschien und unterhalb des Unendlichen ist, nämlich in den niedrigeren ausgeströmten Wesen. Die Gefäße der Empfangsbereitschaft, die in diesen unteren ausgeströmten Wesen existieren, werden durch ihren unterschiedlichen Modus des Empfangens ihres Lichtes unterschieden; denn sie enthalten ihr Licht in ihrem Inneren, das heißt, innerhalb des Gefäßes. Mit anderen Worten, das Wehklagen des Gefäßes, (womit seine vier Phasen gemeint sind), führt eine Begrenzung und eine Limitierung des Lichtes aus, welches es innehat; und dieses geschieht aufgrund der Stärke des Gefäßes. Jedoch sind das Licht und das Gefäß im Unendlichen in einer absoluten einfachen Einheit, wie der Inhalt der Worte "Er ist Eins" und "Sein Name ist Eins" es ausdrücken. Folglich zieht sich das Gefäß keinerlei Grenzen zu, die es beibehält, und sein Licht wird als "Unendlich" beschrieben.

Sie haben jetzt eine vollständige Beschreibung der wirklichen Bedeutung des "Mittleren Punktes" erhalten, der im Unendlichen ist. Er wird nicht als zentraler Punkt oder Ort gedeutet, so als ob wir es mit einem fühlbaren Objekt zu tun hätten, welches mit unseren Sinnen wahrnehmbar ist. Dieser vierte Grad allein, der im Unendlichen eingeschlossen ist, wird wegen seiner Kapazität das Licht der Unendlichkeit festzuhalten, der "Mittlere Punkt" genannt. Die Kontraktion, die in diesem "Mittleren Punkt "auftrat, ist bereits erklärt worden.

In allen anderen Wesen ist der vierte Grad in Beziehung zu dem Unendlichen lediglich ein begrenztes Gefäß.

 

 


(15) UND DAS LICHT HAT SICH ZU DEN (16) RÄNDERN UM DEN MITTLEREN PUNKT ZUSAMMENGEZOGEN UND ES BLIEB (17) EIN LEERER RAUM, ATMOSPHÄRE UND VAKUUM, DER EXAKT DEN MITTLEREN PUNKT UMGIBT.


 

DAS INNERE LICHT

 

(15) DAS LICHT HAT SICH ZUSAMMENGEZOGEN

Die Bedeutung von Spiritueller Distanz oder Entfernung wurde bereits erklärt. Es wurde ebenso erläutert, dass im Unendlichen keine Distanz irgendwelcher Art zwischen dem Mittleren Punkt, der das aufnehmende Gefäß ist, und dem Licht eintrat. In der Tat, nachdem sich das Licht von diesem "Mittleren Punkt" zurückzog, wurde sofort eine andere Phase des Lichtes enthüllt, weil das Höchste Licht keinerlei Unterscheidung eines "Willens zu empfangen" besitzt.

Jedoch könnte der "Punkt" als "Wille zu empfangen" unterschieden werden, der sich bereits vom Licht unterscheidet, und da ihre Phasen verschieden waren, werden sie voneinander getrennt, genau dem Unterschied oder der Verschiedenartigkeit entsprechend. Dieses ist die Bedeutung der Aussage des Autors: "Das Licht hat sich zurückgezogen".

 

(16) ZU DEN RÄNDERN UM DEN MITTLEREN PUNKT

Die vier obenerwähnten Grade oder Stadien werden Ränder genannt, und der Autor unterweist uns, obgleich die Einschränkung nur im "Mittleren Punkt", das heißt im vierten Grad auftrat, dennoch das Licht von allen vier Graden abwich, sich schied, denn es kann keine Unterteilung in der spirituellen Materie geben. Es ist für einen Teil des Lichtes des ausgeströmten Wesens unmöglich, sich vom Licht zu entfernen und den Rest zu behalten; infolgedessen entfernte sich das Licht nicht nur vom Mittleren Punkt selbst, sondern ebenso von den drei einleitenden Graden.

 

(17) EIN LEERER RAUM, ATMOSPHÄRE UND VAKUUM.

Dieses wurde bereits erklärt.

 

 

 

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Übersetzung von Peter Staaden ©
Martina Spriestersbach, Christiane Reinstrom